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Geheimcodes im Arbeitszeugnis, und was sie wirklich bedeuten.

Versteckte Formulierungen sind laut Klarheitspflicht (aus Lehre und Rechtsprechung zu OR Art. 330a) eigentlich unzulässig, in der Praxis aber verbreitet. Hier die häufigsten Codes im Klartext.

Geheimcodes sind versteckte Botschaften in einem an sich wohlwollend klingenden Zeugnis. Die häufigsten: «hat sich stets bemüht» (= mangelhafte Leistung), «war gesellig» (wird teils als Alkoholhinweis gelesen, umstritten) oder eine fehlende Verhaltensnote (= Verhaltensprobleme). Sie sind nach der Klarheitspflicht (aus Lehre und Rechtsprechung zu OR Art. 330a) eigentlich unzulässig, kommen aber oft vor.

Diese Seite konzentriert sich auf codierte, versteckte Formulierungen und ihre Klartext-Übersetzung. Geht es um offen negative, aber rechtlich zulässige Sätze wie «zu unserer Zufriedenheit», hilft die Seite Negative Formulierungen. Was rechtlich gar nicht ins Zeugnis gehört (Krankheit, Religion, Diskriminierung), steht unter Was darf nicht im Zeugnis stehen.

Arbeitszeugnis entschlüsseln, Tabelle

Diese Formulierungen werden häufig als Code gelesen. Entscheidend ist immer der Kontext, eine einzelne Formulierung ist nicht automatisch negativ. Als grobe Orientierung:

Formulierung im ZeugnisWas es meist bedeutet
«hat sich im Rahmen seiner Fähigkeiten eingesetzt»Die Fähigkeiten waren begrenzt, schwache Leistung.
«hat sich stets bemüht / war stets bemüht»Bemühen ohne Erfolg, die Leistung war mangelhaft.
«zeigte Verständnis für seine Arbeit»Hat die Arbeit nicht (gut) erledigt, nur «verstanden».
«erledigte die Aufgaben mit grossem Fleiss und Interesse»Fleiss statt Ergebnis betont, Leistung eher schwach.
«war mit Interesse bei der Sache»Interesse ja, Ergebnis mangelhaft.
«wusste sich gut zu verkaufen»Mehr Schein als Sein, Selbstdarstellung statt Substanz.
«war ein anspruchsvoller / anregender Mitarbeiter»Galt als schwierig, kritisch oder streitbar.
«trug durch seine Geselligkeit zum Betriebsklima bei»Wird teils als Anspielung auf Alkohol gelesen, ist aber umstritten und nicht belegt (deutscher Zeugnismythos). Ein solcher Code wäre ohnehin unzulässig.
«war gesellig und kontaktfreudig»Wird teils als Hinweis auf Alkohol oder Ablenkung gelesen, ist aber umstritten und nicht belegt. Als Code wäre die Formulierung ohnehin unzulässig.
«war stets pünktlich»Wenn das einzige Lob: sonst gab es nichts Positives zu sagen.
«zeigte für die Belange der Belegschaft Einsatz»Wird teils als Anspielung auf eine Gewerkschafts-/Konfliktrolle («Unruhestifter») gelesen, stammt aus dem deutschen Betriebsrats-Kontext, ist umstritten und nicht belegt. Als Code wäre die Formulierung ohnehin unzulässig.
«verliess uns im gegenseitigen Einvernehmen»Oft verdeckt eine Trennung, die nicht ganz freiwillig war.
«wir wünschen ihm für die Zukunft alles Gute»Ohne «und weiterhin viel Erfolg / Dank»: kühle, distanzierte Schlussformel.

Sie sind unsicher, ob eine Formulierung in Ihrem Zeugnis ein Code ist? Ich lese jede Zeile im Kontext und übersetze sie in Klartext.

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Ein «gut» klingendes Zeugnis kann versteckte Abwertungen enthalten.

Auslassungen sind auch eine Botschaft

Nicht nur was drinsteht zählt, sondern auch was fehlt. Typische «stille» Signale:

  • Fehlende Verhaltensbeurteilung, deutet auf Verhaltensprobleme hin.
  • Fehlende Schlussformel (kein Dank, kein Bedauern), der Weggang wird nicht bedauert.
  • Nur eine einzige Stärke betont (z. B. «stets pünktlich»), sonst gab es wenig Positives.

Was Sie tun können

Ein Zeugnis muss wahr, wohlwollend, vollständig und klar sein (OR Art. 330a). Enthält es Codes oder doppeldeutige Formulierungen, haben Sie Anspruch auf Korrektur. Am besten sammeln Sie die auffälligen Stellen und verlangen sachlich eine Anpassung, den passenden Korrekturbrief erstelle ich Ihnen auf Wunsch versandfertig.

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Verstecken sich Codes in Ihrem Zeugnis?

Der Gedanke, dass zwischen den Zeilen etwas Negatives steht, lässt viele nicht los. Die kostenlose Vorprüfung übersetzt versteckte Formulierungen in ein bis zwei Minuten in Klartext.

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Häufige Fragen

Sind Geheimcodes im Arbeitszeugnis erlaubt?
Nein. Nach der Klarheitspflicht (aus Lehre und Rechtsprechung zu OR Art. 330a) muss ein Zeugnis klar und eindeutig sein, versteckte Codes sind unzulässig. In der Praxis werden sie trotzdem verwendet, weshalb sich das genaue Lesen lohnt.
Was bedeutet «hat sich stets bemüht»?
Diese Formulierung gilt als klassischer Code für eine mangelhafte Leistung: Es wird das Bemühen betont, nicht das Ergebnis. Sinngemäss heisst es, dass die Person die Anforderungen nicht erfüllt hat.
Wie kann ich mein Arbeitszeugnis entschlüsseln?
Achten Sie auf die Zufriedenheitsformel (Note), auf Wörter wie «bemüht», «Interesse» oder «gesellig», auf fehlende Verhaltensnote oder Schlussformel, und auf das, was NICHT gesagt wird. Die Tabelle oben hilft dabei; die Vorprüfung ist kostenlos, die vollständige Prüfung gibt es für CHF 19.90 (inkl. aller Briefe).
Ist jede dieser Formulierungen automatisch ein Code?
Nein. Der Kontext entscheidet. «Gesellig» in einem sonst starken Zeugnis kann harmlos sein; als einziges Lob ist es ein Warnsignal. Deshalb prüfe ich Formulierungen immer im Zusammenhang.